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Bewegte Vergangenheit – unbekannte Zukunft

Verschiedene Hunde und Katzen, die nach oben in die Kamera blicken.
Shutterstock.com/sophiecat

Vor 60 Jahren errichteten die Gründer des Tierschutzvereins für Düren und Umgebung 1963 ein Heim, um in Not geratenen Haus-, Wild- und Hoftieren zu helfen. Heute, sechs Jahrzehnte später, stellt sich die Frage, was mag die Zukunft wohl bringen.

So manchmal wünscht man sich eine Glaskugel, oder doch besser nicht? Allein ein Blick auf die aktuellen Zahlen der Haustierhaltung lässt erahnen, was da auf die Tierheime insgesamt und somit auch auf das für den Kreis Düren zukommen könnte.

Der Industrieverband Heimtier attestiert, dass aktuell in unseren Familien 15,9 Mio. Katzen und 10,5 Mio. Hunde leben. Das ist, verglichen mit den Zahlen des statistischen Bundesamtes, seit 2010 jeweils ungefähr eine Verdoppelung. Nur die Kapazitäten der Tierheime, und das gilt auch für das in Düren, sind nicht im gleichen Maß angestiegen. Mit dem Bau des Jülicher Katzenhauses erweiterte das Tierheim in Burgau bei Katzen seine Unterbringungsmöglichkeiten, doch insgesamt werden wohl erhebliche zusätzliche Erweiterungen nötig sein. Nur woher soll das nötige Geld zur Finanzierung der Baumaßnahmen kommen?

Mit Beginn der Corona-Pandemie erhielt die Haltung von Hunden und Katzen einen enormen Popularitätsschub, der allerdings in Teilen der Bevölkerung nicht von langer Dauer war und seit 2022 wieder nachlässt. Neben dem Nachlassen „der tierischen Liebe“ sind es vor allem steigende Kosten vom Futter bis zum Tierarztbesuch, die Tierbesitzer dazu veranlasst, sich von Bello und Mieze wieder zu trennen.

Wohin mit den Tieren?
Katzen werden vielfach einfach ausgesetzt, und so stieg die Anzahl der Fundtiere in unserem Tierheim deutlich an. Während Katzen vielfach einen deutlich schlechteren Gesundheitszustand aufweisen, wenn sie den Weg ins Tierheim finden, sind es bei Hunden überwiegend Verhaltensauffälligkeiten. So müssen aktuell zahlreiche Hunde erst therapiert werden, um fähig für ein Leben mit dem Menschen zu sein.

Heute beschäftigen wir eine Hundetrainerin, die alle Hände voll zu tun hat. Ob das ausreicht, wird die Zukunft zeigen. Sicher ist auch, dass die durchschnittliche Verweildauer, bis ein Hund wieder vermittelt werden kann, deutlich länger werden wird – mit erheblichen Folgen für die Tiere, die Pflegekräfte aber auch den Platzbedarf im Tierheim.

Katzen hingegen benötigen aufgrund ihrer häufig mangelnden Gesundheit viel mehr tierärztliche Aufwendungen als früher. Auch bei vielen Miezen wird sich die Zeit, von der Aufnahme im Tierheim bis zur Vermittlung, daher verlängern und die Kosten steigen.

Konkurrenz im Internet
Hund und Katze aus zweiter Hand? Das gehörte früher zum guten Ton und war keine Frage. Seit in der Coronapandemie der Handel im Internet auch mit Hunden und Katzen aufblühte, ist die Vermittlung der Tiere im Heim schwieriger geworden. Im Internet fragen viele Verkäufer eben nicht, ob man für das Tier geeignet ist und welche Belastungen, auch finanzielle, auf den Käufer zukommen. Hunde und Katzen leben bis zu 20 Jahre, und das Risiko, dass sie einen Teil dieses Lebens in einem Tierheim verbringen werden, weil ihr Besitzer sich „verkalkulierte“, wird so lange zunehmen, wie es einen Haustierhandel im Internet gibt. Hier hat die Untätigkeit der Politik seit 2020 katastrophale Folgen für die Tiere und die Heime gehabt. „Heute In und morgen Out“ wird alle Haustierarten treffen – vom Meerschweinchen über Hunde und Katze bis zu Exoten. Und vieles von dem, was plötzlich „Out“ sein wird und nicht über das Internet weiterverkauft werden kann, wird in den Tierheimen oder der Natur landen.

Die Gesellschaft ändert sich
Die Spendenbereitschaft in Deutschland hat inflationsbereinigt seit 2005 um rund 1/3 nachgelassen. Pflegende Berufe sind nicht mehr en Vogue, und wer möchte noch Tierpfleger werden? Ein Beruf, der sehr belastend und finanziell vergleichsweise nicht attraktiv ist. Mit der sinkenden Spendenbereitschaft und dem Fachkräftemangel wird das Tierheim für den Kreis Düren ebenso zu kämpfen haben. Keine guten Aussichten nach 60 Jahren. Was würden die Gründer dazu wohl sagen?

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