Gefährliche „Urlaubsliebe“ und kritische „Onlinedates“
Tollwut gilt in vielen Teilen Europas als nahezu besiegt – doch der Schein trügt. Immer wieder gelangen infizierte Tiere unbemerkt nach Deutschland. Ein tödliches Risiko für die Tiere und unter Umständen auch für die Menschen in deren Umfeld.
Besonders Hundewelpen werden aus dem Ausland illegal oder unzureichend kontrolliert eingeführt.
Von der viralen Infektionskrankheit Tollwut betroffen sein können alle Säugetiere, insbesondere Karnivoren wie Füchse oder Waschbären, sein. Haustiere, wie Hunde und Katzen, können das Virus leicht auf den Menschen übertragen. Es befindet sich im Speichel infizierter Tiere und wird meist durch Bisse oder Kratzer übertragen.
Zu den typischen Anzeichen einer Infektion zählen Verhaltensveränderungen, Aggressivität, Lähmungserscheinungen und schwere neurologische Störungen. Die Infektion auf den Menschen führt, wenn nicht rechtzeitig gehandelt wird, zum Tod.
Fehlende Impfungen, unklare Herkunft
Immer wieder beginnt die Geschichte mit einer spontanen Entscheidung im Urlaub: Ein herrenlos wirkender Welpe am Straßenrand erweckt Mitleid und wird kurzerhand mitgenommen. Er soll mit nach Deutschland, und vieles wird in die Wege geleitet, um dem jungen Hund eine Zukunft zu schenken. Ebenso boomt der Online-Handel mit Tieren: Über soziale Netzwerke oder Plattformen werden Hunde und Katzenwelpen angeboten, deren wirkliche Herkunft kaum nachvollziehbar ist. Hinter den niedlichen Bildern verbergen sich nicht selten skrupellose Händler, die Tiere unter schlechten Bedingungen züchten und viel zu früh von der Mutter trennen. Und ob der beim Verkauf vorgelegte Impfpass der Wahrheit entspricht, können die Interessenten nicht überprüfen.
Besonders problematisch ist dabei, dass die Tiere oft sehr jung sind und auf den ersten Blick gesund wirken. Doch die Tollwut kann eine längere Inkubationszeit haben, in der noch keine Symptome sichtbar sind. Das macht die Krankheit so gefährlich: Ein Tier kann bereits infiziert sein, ohne dass Halter oder Behörden dies unmittelbar erkennen.
Quarantäne im Verdachtsfall
Erkrankt das adoptierte oder mitgebrachte Tier mit Tollwut-Symptomen, wird es durch die Behörden in eine Quarantäne eingewiesen. Aber auch schon der Zweifel eines Tierarztes an der Korrektheit des Impfpasses führt in der Regel zur Quarantäne – aus Sicherheit. Diese erfolgt meist im lokalen Tierheim und bedeutet eine enorme Verantwortung und zusätzliche Belastung im ohnehin angespannten Alltag. Die Tiere werden isoliert und unter strengen Sicherheitsvorkehrungen untergebracht. Für die Hunde oder Katzen eine schwere Belastung und für den Besitzer teuer, denn er muss für die Kosten aufkommen.
Allein ins Tierheim für den Kreis Düren wurden in den vergangenen Monaten vier Hunde zur Tollwut-Quarantäne eingewiesen. Gut gemeinte Hilfe kann gefährlich werden, wenn gesetzliche Vorgaben ignoriert werden oder Tiere ohne ausreichenden Impfschutz nach Deutschland gelangen.
Tollwut-Impfung bei der Einfuhr
Viele Menschen sind sich der Risiken nicht bewusst, wenn sie Tiere aus dem Ausland mitbringen oder online kaufen. Dabei gibt es klare gesetzliche Vorgaben: Hunde und Katzen müssen bei der Einfuhr nach Deutschland gültig gegen Tollwut geimpft sein, und die Impfung muss 21 Tage zurückliegen, bevor sie nach Deutschland eingeführt werden dürfen. Schon dieser Zeitraum ist länger als die meisten Urlaube, und so ist die „Urlaubseinfuhr“ in der Regel legal gar nicht möglich. Zudem ist ein EU-Heimtierausweis erforderlich, und das Tier muss bei der Einreise mindestens 15 Wochen alt sein. Diese Regeln dienen nicht der Bürokratie, sondern dem Schutz aller Beteiligten.
Tierliebe erfordert Verantwortung
Es wird deshalb dringend dazu geraten, Tiere nur über seriöse und kontrollierte Wege zu adoptieren. Aber wie sind diese zu finden? Wer einem Hund, einer Katze aus dem Ausland helfen möchte, sollte ausschließlich mit Tierschutzvereinen zusammenarbeiten, die möglichst über ein Tierheim sowie eine Zulassung zum Import durch das zuständige Veterinäramt verfügen. Solche Organisationen achten darauf, dass alles den gesetzlichen Anforderungen entspricht. So kann verhindert werden, dass Krankheiten wie Tollwut eingeschleppt werden und Mensch sowie Tier in Lebensgefahr geraten.
Spontane Mitnahmen aus dem Urlaub müssen unterbleiben, der Kauf von Lebewesen über das Internet verbietet sich von selbst. Experten und Tierschutzverbände fordern deshalb strengere Kontrollen und ein konsequenteres Vorgehen gegen den illegalen Haustierhandel.

