Melody‘s Circusland – anderer Name, gleiches Tierleid
Erneut macht Melody's Circusland, früher Melody's Streichelzoo, ein Gastspiel in Düren. Doch auch unter verändertem Namen, führt das Unternehmen wieder Wildtiere mit sich. Bitte verzichten Sie auf einen Besuch, denn Tiger und Co. gehören nicht in Zirkusse und wandernde Schaustellerbetriebe.
Alle Jahre wieder… und so auch in diesem Jahr macht „Melody“ Halt in Düren. Der mobile Streichelzoo - ebenfalls bekannt unter seinen früheren Namen „Melody's Kinderparadies“ oder „Melody's Streichezoo“ - hat zurzeit seine Pforten an der Kölner Landstraße geöffnet. Auch diesmal gastiert das Unternehmen ohne lange Vorankündigung, vermutlich, um vorab Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Auf seiner Facebook Seite kündigt das Unternehmen „riesige Hüpfburgen und jede Menge Tiere“ an. Traurig aber wahr: Zu diesen Tieren zählen erneut Tiger. Doch Tiger in Gefangenschaft zu halten, zu dressieren und von Ort zu Ort zu transportieren ist mit erheblichem Leid für die Tiere verbunden und passt nicht mehr in moderne Zeiten. Kindern – als Zielgruppe von Melody's Circusland - wird auf diese Weise ein völlig falsches Bild von artgerechter Tierhaltung und den Bedürfnissen der Tiere vermittelt.
Das Leid der Zirkustiere
Zirkustiere leiden unter Dressur, häufigen Transporten und unzureichender Unterbringung. Durch die ständigen Ortswechsel verbringen sie einen Großteil ihres Lebens in engen Transportwagen oder Käfigen und können ihre natürlichen Bedürfnisse kaum ausleben. Tiger etwa legen in freier Wildbahn kilometerweite Strecken zurück, sind dämmerungs- und nachtaktiv und leben außerhalb der Paarungszeit als Einzelgänger. In der beengten Umgebung eines Unternehmens wie Melody‘s Circusland oder im Umfeld von tobenden Kindern, lassen sich diese natürlichen Bedürfnisse wohl kaum erfüllen.
Handaufzucht von wilden Tieren führt zu Fehlprägungen
Robano Kübler – Betreiber von Melody's Circusland und Tiger-Dompteur - ist laut Angaben des Deutschen Tierschutzbundes seit vielen Jahren in verschiedenen Zirkusbetrieben bekannt. Neben anderen Tieren wie Kamelen, Zebras und Ponys hält er derzeit mehrere Tiger und zieht immer wieder auch Jungtiere mit der Flasche groß. Solche Handaufzuchten sind bei Großkatzendompteuren keineswegs Ausnahmefälle, sondern seit Jahren gängige Praxis. Um die Tiere frühzeitig an den Menschen und den späteren Dompteur zu gewöhnen, werden sie oftmals bereits kurz nach der Geburt von den Muttertieren getrennt und von Hand aufgezogen. Diese Handaufzucht dient dazu, die Tiere auf den Menschen fehlzuprägen und sie für Dressur und Vorführungen nutzbar zu machen. Aus Tierschutzsicht ist eine solche Praxis nicht zu tolerieren. Offiziell wird häufig behauptet, die Muttertiere hätten ihren Nachwuchs nicht angenommen oder nicht ausreichend Milch gehabt. Tatsächlich werfen die wiederkehrenden Fälle von Handaufzuchten erhebliche Fragen hinsichtlich der Haltungsbedingungen auf. Denn selbst wenn die von Zirkusbetreibern angeführten Gründe zutreffen würden, wäre dies ein Hinweis darauf, dass die Haltung der Tiere offenbar regelmäßig nicht zu einer natürlichen Jungenaufzucht führt.
Jungtier für Video- und Fotoshootings benutzt
Besonders problematisch, so der Deutsche Tierschutzbund, war in der Vergangenheit zudem, dass Robano Kübler mindestens ein Jungtier für Video- und Fotoshootings bereitstellte, u.a. für Deutschrapper. Die öffentliche Inszenierung von Tigerbabys als exotische Attraktionen verharmlost die Haltung hochsensibler Wildtiere und vermittelt gerade jungen Menschen ein völlig falsches Bild vom Umgang mit Großkatzen. Solche Darstellungen fördern die Faszination für Wildtiere als Prestigeobjekte oder vermeintlich „zahme“ Tiere.
Unser Dachverband berichtet ebenfalls, dass Robano Kübler während des ersten Corona-Lockdowns öffentlich erklärte, nicht zu wissen, wie die Versorgung seiner Tiere sichergestellt werden könne. Auch dies macht deutlich, wie problematisch die Haltung großer Wildtiere in reisenden Zirkusbetrieben ist. Wer Tiere hält, trägt dauerhaft Verantwortung für deren Versorgung – auch in Krisenzeiten. Vor diesem Hintergrund erscheint es besonders fragwürdig, weiterhin Nachwuchs zu züchten beziehungsweise zusätzliche Tiere aufzuziehen.
Die Politik darf nicht länger tatenlos bleiben
Noch immer erlauben es unsere Gesetze, Wildtiere zu züchten, mit ihnen zu handeln und sie zur Schau zu stellen. Ein bundesweites Wildtierverbot ist längst überfällig. Doch die Politik bleibt tatenlos, was Deutschland in Europa zum Schlusslicht macht: Bis auf Deutschland haben alle 27 EU-Länder die Wildtierhaltung in Zirkussen verboten oder eingeschränkt, zuletzt auch Frankreich und Italien, wo die Umsetzung noch aussteht.
Immer mehr Kommunen haben positverweise erkannt, dass Tiere im Zirkus leiden. Vereinzelt stellen Städte und Gemeinden den Unternehmen daher keine öffentlichen Flächen zur Verfügung. Als Konsequenz weichen diese auf private Flächen aus. So ist auch der Gastspielort von Melody‘s Circusland an der Kölner Landstraße in Düren ein privat vermietetes Gelände.
Der Einsatz von Tigern und anderen Wildtieren in Zirkussen und Co. ist kein harmloses Familienvergnügen, sondern für die betroffenen Tiere mit erheblichem Leid verbunden. Wir rufen daher alle Menschen dazu auf, das Tierleid nicht durch den Besuch von Melody's Circusland zu unterstützen.

