Stadttauben - unterschätze Mitbewohner
Stadttauben gehören zum alltäglichen Bild vieler Städte. Häufig gelten sie als Schädlinge oder werden abwertend als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet. Doch diese Sichtweise wird den Tieren sowie ihrer Geschichte nicht gerecht.
Stadttauben gehören zum alltäglichen Bild vieler Städte. Auf Marktplätzen, Bahnhöfen und Hausdächern sind sie allgegenwärtig und werden oftmals negativ wahrgenommen. Häufig gelten sie als Schädlinge oder werden abwertend als „Ratten der Lüfte“ bezeichnet.
Der Deutsche Tierschutzbund kritisiert diese Bezeichnung scharf, denn diese Sichtweise wird den Tieren sowie ihrer Geschichte nicht gerecht. Stadttauben sind eng mit dem Menschen verbunden und ein Beispiel dafür, wie menschliches Handeln das Zusammenleben mit Tieren im urbanen Raum prägt.
Der NABU stellt klar, dass es sich beim Stadttauben nicht um Wildtiere im klassischen Sinne handelt, sondern dass sie von der Felsentaube abstammen, die ursprünglich in felsigen Küstenregionen lebte. Durch Domestizierung wurden Tauben über Jahrtausende als Nutz-, Brief- und Zuchttiere gehalten. Als diese Nutzungen an Bedeutung verloren, wurden viele Tiere ausgesetzt oder entkamen und passten sich dem Leben in Städten an. Gebäude ersetzten dabei natürliche Felswände, sodass Städte ideale Lebensräume boten.
Unsere heutigen Stadttauben sind somit die Nachfahren verwilderter Haustiere und nicht von Natur aus Stadtbewohner. Diese Einordnung erklärt, warum Stadttauben stark vom Menschen abhängig sind, warum Städte für sie Ersatzlebensräume darstellen und warum der Mensch eine besondere Verantwortung für ihren Umgang trägt.
Anpassungsfähige Tiere
Die Anpassungsfähigkeit der Tauben ist bemerkenswert. Sie sind sehr standorttreu, besitzen ein gutes Orientierungsvermögen und leben in sozialen Gruppen. Sie sind sehr intelligent, erkennen menschliche Gesichter, können Muster unterscheiden und lernen Routen und Zeiten. In freier Natur würden die Vögel sich hauptsächlich von Samen und Körnern ernähren. In Städten finden sie diese Nahrung kaum noch und weichen daher auf Essensreste aus, was laut dem Deutschen Tierschutzbund weder „ausreichend noch artgerecht“ ist. So kommt es zu Mangelerscheinungen, Krankheiten und einer geschwächten Gesundheit.
Ein zentrales Problem im Zusammenhang mit Stadttauben ist die hohe Populationsdichte. Diese entsteht vor allem durch unkontrollierte Fütterung und fehlende tierschutzgerechte Managementmaßnahmen. Tauben brüten ganzjährig, wenn ausreichend Nahrung vorhanden ist. Dadurch kann sich die Population schnell vergrößern. Ein Paar kann laut Experten sechs bis acht Bruten pro Jahr großziehen, meist mit zwei Eiern. Die Folgen sind Konflikte mit Menschen, etwa durch Verschmutzung von Gebäuden oder öffentlichen Plätzen. In der öffentlichen Wahrnehmung werden diese Probleme oft den Tieren selbst zugeschrieben, obwohl sie größtenteils menschengemacht sind.
Stadttauben gelten häufig auch als Überträger gefährlicher Krankheiten. Wissenschaftliche Untersuchungen u. a. vom Biologen Mark Benecke zeigen jedoch, dass das Risiko für Menschen gering ist. Die meisten Krankheitserreger sind artspezifisch und werden nicht leicht auf den Menschen übertragen. Im Vergleich zu anderen Tieren im urbanen Raum stellen Tauben kein außergewöhnliches Gesundheitsrisiko dar. Dennoch prägt dieses negative Image maßgeblich den Umgang mit ihnen.
Betreute Taubenschläge sind eine tierschutzgerechte Maßnahme
In vielen Städten werden Maßnahmen ergriffen, um Tauben zu vertreiben, beispielsweise durch Spikes, Netze, akustische Systeme wie z. B. Ultraschall oder optische Systeme wie reflektierende Gegenstände, Vogelattrappen etc. Diese Methoden lösen das Problem jedoch nicht dauerhaft und können den Tieren erhebliches Leid zufügen. Der Deutsche Tierschutzbund stellt klar, dass solche Maßnahmen oft „sinnlos“ seien und appelliert stattdessen an Städte, „tierschutzgerechte Maßnahmen zu ergreifen“. Als nachhaltiger und tierschutzgerechter Ansatz gelten betreute Taubenschläge. Dort finden die Tiere artgerechtes Futter und sichere Brutplätze. Die gelegten Eierwerden kontrolliert gegen Attrappen ausgetauscht, wodurch sich die Population langfristig reduziert. Auch der NABU unterstützt diesen Weg.
Stadttauben sind ein fester Bestandteil des urbanen Ökosystems. Anstatt sie als Problem zu betrachten, ist ein verantwortungsvoller und sachlicher Umgang notwendig. Wie der Deutsche Tierschutzbund im Rahmen seiner Kampagne „#RespektTaube“ betont, haben diese Tiere eines verdient: „Respekt“. Aufklärung, wissenschaftlich fundierte Maßnahmen und Tierschutz können dazu beitragen, Konflikte zu reduzieren und ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.
Stadttauben sind keine Plage, sondern das Ergebnis menschlicher Geschichte. Ein nachhaltiger Umgang erfordert daher mehr als Vertreibungsmaßnahmen, wie zum Beispiel kontrollierte Taubenschläge, Aufklärung über Fütterung und artgerechtes Bestandsmanagement. So betreut der Tierschutzverein für den Kreis Düren unter anderem seit 2023 den Taubenschlag auf dem Dach des Bürgerbüros am Markt in Düren im Rahmen des städtischen Taubenmanagements.

