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Auf hoher See – Missstände bei Tierexport

Schafe in Tiertransporter eingepfercht
pixabay.com

Unqualifiziertes Personal an Häfen, Veterinärbeamte unter Druck und skrupellose Exporteure – Tiertransporte via Schiff widersprechen sämtlichen Tierschutzvorgaben. Der Deutsche Tierschutzbund fordert ein Ende von Lebendtierexporten in Drittländer.

Im Jahr 2018 passierten laut eines Berichts der EU-Kommision über eine halbe Million Rinder und mehr als zwei Millionen Schafe und Ziegen die Häfen in Irland, Spanien, Kroatien, Frankreich, Portugal, Rumänien und Slowenien, um von dort aus in Drittländer verschifft zu werden. Bereits beim Verladen in LKW und beim Transport zu den Häfen, beginnen die ersten Schwierigkeiten zum Leidwesen der Tiere. Behörden genehmigen Transporte trotz falscher oder unvollständiger Unterlagen und ohne die Wetterbedingungen auf der Strecke zu berücksichtigen. In den Häfen ist niemand rechtlich verantwortlich für die Koordinierung der Ankunft von Viehtransporten und somit kann es zu entsetzlich langen Verzögerungen beim Verladen auf die Schiffe kommen, wenn mehrere Fahrzeuge gleichzeitig eintreffen. Viele Tiere sind bereits geschwächt oder verletzt und der Transport via Schiff hat noch nicht begonnen. Je nach Zielhafen, kann dieser mehrere Wochen lang dauern.

Staus an Häfen sorgen für Tierqual
Bevor die Tiere auf die Schiffe verladen werden, müssen sie ausgeruht und gefüttert sein, zumindest laut den Bestimmungen, die für die 13 EU-Ausgangshäfen gelten. Doch in der Praxis sieht das oft anders aus. Nur sechs der Häfen haben Einrichtungen in der Nähe, wo Tiere im Bedarfsfall entladen, getränkt und gefüttert werden können und sie sich von dem kräftezehrenden LKW-Transport erholen können. Es gibt kaum Notfallpläne, wenn es zu Verzögerungen bei der Beladung der Schiffe kommt und die Tiere zusammengepfercht ausharren müssen, im Sommer oft bei Temperaturen jenseits von 30 °C. Manche Häfen haben Kapazitäten für 600 - 860 Rinder, es werden von dort aber zwei- bis dreitausend Rinder auf Viehtransportschiffe verladen. In Spanien hat der Betreiber eines Ausgangshafens eine Vereinbarung mit einem Bauernhoff, dass dieser im Notfall 5600 Rinder und 15000 Schafe aufnehmen kann. Diese positiven Beispiele sind leider in der Minderheit.

Lückenhafte Dokumentation
Besonders schwierig gestaltet sich auch die Dokumentation der Transporte und wer für welchen Streckenabschnitt verantwortlich ist. Auch wenn immer ein Organisator juristisch gesehen der Verantwortliche ist, so werden durch die falsche Angabe eines EU-Zielhafens auch ein falscher Zielort für die Tiere notiert, obwohl diese außerhalb der EU weiter verschifft werden und somit überhaupt nicht mehr nachvollzogen werden kann, wer welchen Streckenabschnitt beaufsichtigt und ob die Tierschutzverordnungen eingehalten werden. Denn eigentlich müssten diese weltweit befolgt werden, wenn der Start des Transportes innerhalb der EU war. Wie der Zustand der Tiere ist, wenn sie in den Drittländern ankommt, ist meist ungewiss. Dort wird kaum dokumentiert und auch kein Feedback an die Behörden des Ausgangslandes geschickt. Daher ist davon auszugehen, dass die EU-Vorgaben, die ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes vorschreibt, nicht bis zum Zielort eingehalten werden.

Veterinärbeamte werden bedroht
Die Überprüfung eines Tierarztes, ob die Tiere gesundheitlich in der Lage sind, auf die Schiffe verladen zu werden, ist kaum mehr als eine Stichprobe. Oft werden die Tiere untersucht, wenn sie noch im LKW sind, oder es wird sich ein allgemeiner Überblick verschafft, wenn viele Tiere gleichzeitig zum Verladen über das Gelände des Hafens laufen. Keinesfalls ist ein Veterinär die ganze Zeit vor Ort und überprüft den Gesundheitszustand der Tiere. Es wird nur lückenhaft dokumentiert, wie viele Tiere verletzt oder nicht tauglich für eine Weiterfahrt waren und somit eingeschläfert wurden. Auch die Schiffe entsprechen oft nicht den EU-Vorgaben für den Transport lebender Tiere. Auf die Veterinärbeamten wird großer Druck seitens der Exporteure ausgeübt, Verladungen und Transporte zu genehmigen. Sie müssen sich sogar mit der Androhung rechtlicher Schritte auseinandersetzen, wenn sie einen Export stoppen oder verzögern und von den Behörden bekommen sie in solchen Fällen kaum oder gar keine Unterstützung.

Nur ein Verbot kann die Qualen stoppen
Zu Recht fordert unser Dachverband, der Deutsche Tierschutzbund, einschl. seiner Mitgliedsvereine und zusammen mit der europäischen Dachorganisation „Eurogroup for Animals“ erneut ein Ende der Lebendtiertransporte in Länder außerhalb Europas. Nur ein striktes Verbot kann dieses unendliche Tierleid vor und während der Exporte endgültig verhindern.

 

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