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Raben und Krähen – clever, aber unbeliebt

Ein großer, schwarzer Vogel mit Nuss im Schnabel sitzt auf einem Terracotta-Dach. Im Hintergrund verschwommen ein Baum mit gelbem Herbstlaub.

Die gefiederten Nachbarn sind besser als ihr Ruf und zudem noch äußerst klug. Erfahren Sie hier mehr über die beeindruckenden Singvögel, die eigentlich gar nicht singen können, ihr ausgezeichnetes Gedächtnis und ihren Hang zur Romantik.

Sie sitzen in den Baumkronen der städtischen Parks, suchen auf der Mülldeponie nach Fressbarem oder staksen in Fußgängerzonen zwischen den Passanten umher. Dabei krähen die Rabenvögel aus vollem Hals – sehr zum Unmut vieler Anwohner. Lärm und Vogelkot greifen Nerven und Autolack an, was die Sympathiewerte von Raben und Krähen in den Keller treibt.
 
Bequemes Stadtleben
Gerade im Herbst und Winter fallen uns Raben und Krähen im Stadtbild auf. Das liegt unter anderem daran, dass viele andere Vögel dann schon längst gen Süden gezogen sind – ihr Zwitschern ist bis zum Frühjahr verstummt. Die meisten Rabenvögel bleiben im Winter hier oder ziehen nur ein kleines Stück weiter – so überwintern zum Beispiel Tiere aus nördlicheren Gebieten gerne bei uns. Außerdem fühlen sich die Raben und Krähen besonders in der kalten Jahreszeit sicher und wohl in den Städten – warum auf kalten, zugefrorenen Feldern nach Nahrung suchen, wenn die Innenstädte so viel zu bieten haben?
In manchen Städten in Nordrhein-Westfalen – zum Beispiel Baesweiler oder Soest – sind viele Anwohner schon auf die Barrikaden gegangen und forderten die Umsiedlung oder gar den Abschuss der Tiere. Geschossen werden dürfen in NRW die Rabenkrähe und die Elster. Sehr zum Ärger des Deutschen Tierschutzbundes und des Naturschutzbundes NABU. Die Jagd auf Rabenvögel – egal ob in der Stadt oder auf dem Land – sei nicht gerechtfertigt. Zum einen gebe es keine Überpopulation und zum anderen sei die Behauptung der Jäger, die Raben würden andere Arten gefährden, haltlos. Wissenschaftliche Belege dafür, dass die Vögel zu viele Eier und Jungvögel anderer Arten fressen oder gar Niederwild wie Hasen und Fasane gefährden, blieben aus. In Baesweiler und Soest durften die Krähen übrigens weiterleben – in beiden Städten hatten sich Saatkrähen eingenistet, die so oder so geschont werden müssen. Zur besseren Nachbarschaft zwischen Mensch und Vogelhilft vielleicht ein etwas anderer Blick auf die gefiederten Nachbarn.
 
Beeindruckend und manchmal auch beängstigend
Nicht alle Vögel der Gattung Corvus – so heißen die Raben und Krähen in der Fachsprache – erregen die gleichen Emotionen. Über Eichel- oder Tannenhäher freuen sich viele Gartenbesitzer und Parkbesucher, denn diese Vögel sind klein und hübsch anzusehen. Schwieriger wird’s für die großen Gattungsvertreter wie die Rabenkrähe oder den Kolkraben. Zugegeben gerade letzterer kann mit seiner Größe nicht nur beeindrucken, sondern manchmal auch verunsichern, wenn er direkt neben einem aus dem Gebüsch stakst. Mit bis zu 70 Zentimetern Körperlänge und über 1,20 Metern Flügelspannweite ist er unser größter Singvogel, auch wenn sich der Gesang eher nach Krächzen anhört. Dazu das nachtschwarze Gefieder und der ebenso dunkle Schnabel – und schon erinnert man sich an die alten Märchen, in denen der Rabe fast immer der Unglücksbote oder gar Todesbringer ist. Doch dank der Vogelforschung wissen wir mittlerweile: Eigentlich sind Raben und Krähen nur manchmal verschlagen und sehr oft auch liebenswert, immer treu und irrsinnig clever.
 
Großartige Kopfarbeit
Gerade an das Leben in Städten haben Rabenvögel sich in den vergangenen Jahrzehnten hervorragend angepasst. Sie wissen sogar die moderne Technik für sich zu nutzen. In Japan werden die Vögel immer wieder dabei beobachtet, wie sie schwer zu knackende Nüsse, Schnecken oder Muscheln auf Zebrastreifen oder unter Ampelanlagen ablegen. Dafür wartet der Rabe, bis die Ampel Rot zeigt oder ein Auto vor dem Zebrastreifen anhält – fährt es wieder los, zerplatzt unter dem Reifen die Nuss. Bei der nächsten Rotphase flattert der Rabe dann zu seiner Beute. Nur teilen will er die dann nicht so gerne. Raben lieben es, ihr Futter an möglichst vielen verschiedenen Orten zu verstecken. Sie können sich einen Tag lang an bis zu 25 unterschiedliche Verstecke erinnern – ein hervorragendes Gedächtnis.
 
Gefiederte Romantiker
Auch wenn sie ihre Beute nicht gerne teilen – allein sein wollen Raben und Krähen trotzdem nicht. In ihren wilden Jahren leben sie in Junggesellen-Gruppen zusammen – haben sie dann aber einmal das Weibchen oder Männchen ihrer Träume gefunden, bleiben sie ihm ein Leben lang treu. Vorher muss der Partner fürs Leben aber natürlich überzeugt werden – und Flirten können Raben wie die Weltmeister. Dafür nutzen sie eine Fähigkeit, die sonst bei Vögeln und den meisten anderen Tieren unbekannt ist: Sie gestikulieren. Sie nehmen Zweige oder Steine in ihren Schnabel und präsentieren sie ihren Artgenossen – um die Aufmerksamkeit des Gegenübers zu erregen. Auch in der Beziehung bleibt die Romantik erhalten. Wenn sich zwei Raben mögen, zeigen sie einander Stellen, an denen sie gerne gelaust werden würden und lassen sich zärtlich das Gefieder picken – preenen nennt sich das. Wenn es dem gelausten Partner besonders gut gefällt, sitzt er ganz genüsslich da und schließt ein wenig die Augen.
 
Raben sind Genießer!
Den ersten, dunklen und unsympathischen Eindruck, den Raben und Krähen auf uns machen, stimmt also nicht – auch wenn ihre Cleverness vielleicht dennoch dem einen oder anderen unheimlich ist. Daran, dass sie laut sind und ihren Kot auch mal auf ein Autodach fallen lassen, ändert das natürlich nichts. Aber wer seine Nachbarn kennt, kann vielleicht besser mit ihnen leben.

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