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Schnelle Hilfe nicht immer sinnvoll

Junge Amsel
pixabay.com

Während der Jungvogelsaison kommt auf unsere Tierpfleger mit der Pflege und Aufzucht von Vogelkindern eine besonders intensive Aufgabe zu. Wir bitten Tierfreunde, die einen scheinbar hilflosen Jungvogel entdecken, um überlegtes Handeln.

Ist es eine Meise, ein Rotkehlchen oder ein Spatz?  Die erste Frage, die sich unsere Mitarbeiter stellen, wenn Tierfreunde ihnen ein gefundenes Singvogelküken bringen, ist die nach der Vogelart.  Im vergangenen Jahr haben wir bei uns im Kreistierheim rund 300 heimische Jungvögel aufgenommen. Die Kleinen wurden von unseren ausgebildeten Pflegekräften versorgt, großgezogen und eine Vielzahl der Federträger anschließend wieder in die Freiheit entlassen. Mit der Zahl wurde ein Rekord aufgestellt. Die Menschen sind in den letzten Jahren sensibler geworden, wenn es um das Wohl unserer heimischen Tierwelt geht. Die Diskussion um Klimaschutz und Artensterben hat viele aufgerüttelt.

Nackte Vogelbabys brauchen schnelle Hilfe
Bei noch federlosen Küken ist es sehr schwierig, aber enorm wichtig, die Vogelart korrekt zu bestimmen. Denn jede Art benötigt ihr eigenes spezielles Futter und die Wahl des richtigen Futters ist überlebenswichtig für den Winzling. Wer ein noch nacktes Vögelchen findet, sollte sofort handeln, das Tier vorsichtig aufnehmen und warmhalten. Wir raten dringend davon ab, dem Küken Wasser in den Schnabel zu geben, da dies in den meisten Fällen zu einer Lungenentzündung führt. Generell gehören die winzigen Vögel schnellstmöglich in professionelle Hände.

Ästlinge“ lernen erst draußen das Fliegen
Wir sind froh, dass viele Menschen helfen, wenn sie einsame Jungvögel in der Natur entdecken. Allerdings braucht nicht jedes Vogelkind unsere Hilfe. Bei den so genannten „Ästlingen“ ist es z.B. völlig normal, dass sie alleine in Büschen sitzen oder am Boden herumhopsen. Ästlinge sind bereits befiedert, sie haben das elterliche Nest verlassen, richtig fliegen lernen sie erst draußen. Die Elterntiere behalten ihren Nachwuchs ständig im Auge und füttern die Kleinen auch. Wenn Sie einen solchen scheinbar hilflosen Jungvogel entdecken, dann nehmen Sie ihn keinesfalls sofort auf. Am besten beobachten Sie das Tier zunächst eine Zeitlang aus einem Versteck. Meistens tauchen die Eltern nach einiger Zeit auf. Bitte greifen Sie nur ein, wenn das Tier verletzt oder wirklich verwaist ist. Vögel, die an einer gefährlichen Stelle, wie z.B. an einer Straße, sitzen, kann man an einen geschützten Ort bringen. Dieser sollte nicht zu weit vom Fundort entfernt sein. Gut gemeinte aber voreilige Hilfe schadet den Tieren, da sie völlig unnötig ihrem natürlichen Lebensraum entrissen werden.

Wildtierhilfe spielt stets größere Rolle
Die Hauptaufgabe unseres Tierheims liegt in der Aufnahme und Versorgung von Fundtieren aus dem gesamten Kreis Düren. Doch in den letzten Jahren spielt die Wildtierhilfe eine immer größere Rolle. Wir kümmern uns nicht nur um junge Vögel, auch Eichhörnchen, Igel, Feldhasen und Wildkaninchen zählen zu unseren regelmäßigen Gästen. Inzwischen hat die Zahl der bei uns aufgenommenen Wildtiere die der aufgenommenen Hunde längst überholt. Die Pflege der Findlinge bis zu ihrer Auswilderung ist sehr intensiv. Jungvögel etwa, müssen in ihren ersten Lebenswochen alle paar Stunden gefüttert werden. Das ist für unser Tierpfleger-Team ein enormer Aufwand, Vogelküken brauchen sogar alle 30 Minuten Futter, bei 15 Winzlingen gleichzeitig, muss ein Mitarbeiter komplett für deren Pflege abgestellt werden. Doch unsere Tierpfleger sind mit dem Herzen dabei und jedes gerettete Wildtier bedeutet ein Erfolg für den Tier- und Naturschutz.

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